Heimspiel in großen Lettern

Hell leuchtend wird jeder Besucher des Ostentorkinos von der Leuchtreklame begrüßt, die ankündigt, welche Filme laufen. Auch unser Heimspiel-Filmfestival wird seit Mittwoch in großen schwarzen Lettern angepriesen. Leuchtreklamen solcher Art sind inzwischen selten geworden, denn das analoge Filmankündigen wird immer mehr abgelöst von großen digitalen Anzeigen. Das Bestücken der Reklame ist zwar mit einem erhöhten Aufwand verbunden, doch gibt es etwas schöneres, als schon vor dem Kino die besondere Atmosphäre schnuppern zu können? Die Lettern lagern in einem der Hinterzimmer des Kinos, wie Hans Geldhäuser vom Ostentorkino erläutert. Langsam lichtet sich aber der Vorrat an Lettern, denn solche werden nicht mehr produziert und es geht doch hin und wieder eine kaputt. Um die Reklame bestücken zu können, geht es hoch hinaus: Mit den Lettern unterm Arm wird die Leiter hochgeklettert. Das nächste Mal wird der Schriftzug Mittwochnacht getauscht, was mit dem Ende unserer Festivalwoche zusammenfällt. Schade, die Zeit verging mal wieder viel zu schnell!

Publikumspreisträger – Tippspiel aus dem Team

Wir sind nun Mitten im fünften Heimspiel-Tag: 38 Filme flimmerten schon über die Leinwände der Kinos, 24 Gäste waren zu Besuch in Regensburg, alle 5.000 Programmhefte sind verteilt, insgesamt 600 Plakate wurden in der ganzen Stadt angebracht und unzählige intensive Stunden hat das Heimspiel-Team in den letzten Tagen in den Kinos verbracht, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Doch auch im Team kommt der Besuch der Filme nicht zu kurz, zwischen zwei Kinodiensten, Abrechnung und Moderation ist immer mal wieder Zeit für ein Screening.

Alle sind gespannt, welcher Film dieses Jahr Publikumspreisträger wird. Einige haben bereits ihre Favoriten gefunden. Patrick, der sich selbst als den Motivator der Gruppe beschreibt, findet besonders Die Hölle – Inferno fantastisch, gerade der starke Frauencharakter hat es ihm angetan. Neben der technischen Umsetzung ist es vor allem eins, was ihn begeistert: „Der Film mutet wie ein Hollywood-Streifen an und das meine ich durch und durch positiv, aber dann ist Die Hölle –  Inferno einfach ein österreichischer Film.“ Einen anderen Tipp gibt Heimspiel-Leiter Sascha Keilholz ab, für ihn ist es Western, der das Rennen macht: „Western ist präzise und genau in dem was er zeigt. Jeder Schnitt und jede Einstellung sind notwendig. Der Film atmet eine große Freiheit, löst sich von vielen Konventionen und gibt den Figuren viel Platz, sich zu entfalten.“ Für Laura aus der Akquise ist es klar, welcher Film am Mittwoch um 20.30 Uhr im Akademiesalon gezeigt wird: „Zwischen den Jahren natürlich, Lars Henning ist so ein sympathischer Mensch und die Geschichte hat mich von Anfang an gepackt!“ Es bleibt auf jeden Fall spannend, denn heute wird noch bei Tiger Girl und Drei Zinnen abgestimmt. Morgen könnt ihr noch für Zwei im falschen Film, Die Vierhändige und Licht eure Stimme abgeben.

 

Lars Henning plaudert im Wintergarten

Bei Heimspiel 9 haben wir wieder viele Gäste für euch nach Regensburg eingeladen, wie den Regisseur Lars Henning. Nach dem Screening seines Kinofilmdebüts Zwischen den Jahren haben wir ihn auf die Bühne des Wintergartens gebeten, um eure und unsere Fragen zu beantworten. Von Beginn an war klar, der Regisseur hat unglaublich viel Lust über seinen Film zu sprechen, so war die Stimmung im Kinosaal heiter, es wurde viel gemeinsam gelacht. Moderiert wurde die Q&A von Kristina aus dem Heimspiel-Team, die auch einige Fragen an unseren Gast hatte. Mit Zwischen den Jahren hat Henning seinen ersten Kinofilm abgeliefert, bei dem er nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb. Die Umstellung vom Kurz- zum Langfilm entpuppte sich als weniger anstrengend, als gedacht. Der gebürtige Hamburger und St. Pauli-Fan betonte, dass bei größeren Produktionen auch die Crew größer sei und ihm so mehr abgenommen wurde. Der Bammel vor Filmlänge und Länge der Drehzeit legte sich aber schnell, sodass dem Regisseur nicht die Puste ausging. Henning, Jahrgang 1976, begann seine Karriere als Filmemacher tatsächlich erst spät, wie er selbst betont. 10 Jahre lang hat er bei diversen Filmproduktionen mitgearbeitet, konnte sich aber nie völlig lösen, um eigene größere Projekte zu starten, da ihm die Arbeit einfach zu viel Spaß machte. Umso schöner, dass er nun auch weiterhin plant, Filme zu machen, wie er am Ende des Gesprächs verrät: „Ich würde mich freuen, bald wieder in meinem kleinen und sehr kalten Büro mit Kohleofen zu sitzen, um wieder am nächsten Film zu arbeiten.“ Aktuell steckt er in der Endproduktion eines Tatorts seine ganze Energie, aber wir können in Zukunft auf mehr von ihm hoffen.

Viele Fragen aus dem Publikum drehten sich um die Charaktere im Film, besonders die Hauptfigur Becker faszinierte die Besucher im Wintergarten. Gespielt von Peter Kurth ist die Figur des Beckers die Weiterentwicklung eines Supermarkt-Sicherheitsmannes, den Henning in einem seiner Kurzfilme inszenierte. Zur Entstehung dieser Figur gib Henning eine kleine Anekdote zum Besten: „Ich komm ja aus Hamburg, genauer habe ich lange auf St. Pauli gewohnt. Damals gab es dort einen der ersten 24-Stunden-Supermärkte. Das war schon so halb was Besonderes, auch die Leute aus anderen Vierteln sind dort einkaufen gegangen. Das Prinzip eines solchen Supermarktes ist ja schon lustig, wer geht denn da hin? Studenten denen um vier Uhr nachts noch die H-Milch ausgeht! Auf jeden Fall gab es dort einen Sicherheitsmann, ich dachte mir, der hat den langweiligsten Beruf auf der Welt. Der wirkte auf mich wie ein Stopp-Schild. Kennen sie noch diese Aufsteller von Polizisten, die Autofahrer zum langsamer Fahren animieren sollen? So wirkte der auf mich. Ich wollte diesen Sicherheitsmann in eine moralische Zwickmühle manövrieren und begann an Security zu arbeiten. Aber irgendwie wollte ich dann zu der Figur noch eine Hintergrundgesichte schaffen.“ Die Besetzung des Beckers mit Peter Kurth entwickelte die Figur immer weiter. Kurth bringt bereits viel mit für die Figur, wie Henning betont, er hat eine gewisse Ausstrahlung, die perfekt passte. Henning, der Kurth von einem anderen Projekt bereits kannte, hatte „einfach Lust was mit Peter zu machen“. Um den puren Charakter des Beckers zu unterstreichen, wurden nachträglich aus dem Drehbuch noch Texte gestrichen, sodass Becker nur das Nötigste äußert. Weder Kurth selbst, noch die Figur Becker sind Männer großer Worte und so ist auch Zwischen den Jahren ein Film der mehr über Mimik und Gestik erzählt als über die Sprache.

Neben der Besetzung der Hauptrolle mit Peter Kurth, standen noch viele weitere Nebenrollen aus. Henning plaudert aus dem Nähkästchen, was für ihn der skurrilste Besetzungsvorschlag war: „Dahlmann sollte recht prominent besetzt werden von Seiten der Förderung, da kamen schon einige Vorschläge, die einfach nicht gepasst haben. Am besten und skurrilsten fand ich ja Herbert Grönemeyer. Also klar, der ist ja Schauspieler, aber die Körperlichkeiten von Kurth und Grönemeyer hätten nicht funktioniert, die sind beide stämmig. Ich wollte aber den Fokus auf die unterschiedliche Körperlichkeit legen.“ Alles in allem bereitet Hennig die Besetzung seiner Figuren aber großen Spaß. Wie er selbst sagt, hätte er noch hunderte Rollen besetzen können. Als großes Privileg empfindet der Regisseur die Möglichkeit, Rollen selbst besetzen zu können. Lars Henning vermittelt mit solchen Aussagen immer wieder, wie bescheiden, realistisch und am Boden geblieben er ist. Auch nach der knappen Stunde Q&A mit ihm, stand Henning den Besuchern vor dem Andreasstadel bei einer Zigarette weiter Rede und Antwort und hatte sichtlich Freude über seinen Film sprechen zu können.

Das Heimspiel-Programmheft – Ein treuer Begleiter

Der ständige Begleiter eines jeden Heimspiel-Besuchers: Das Programmheft. Wer wissen will, welcher Film wann und wo läuft oder sich einen Überblick über die Filmauswahl verschaffen möchte, wirft einen Blick in unser Programmheft. Jedes Jahr aufs Neue wird mit besonderer Sorgfalt der kleine Schatz an Informationen zusammengestellt.

Lange bevor wir unser Programm veröffentlichen arbeitet das Heimspiel-Team am Timetable und den Film- und Sektionstexten. Am Anfang eines jeden Heftes steht das monatelange Sichten der Filme, bevor entschieden wird, welche Highlights wir euch zeigen. Sobald die Filme stehen, beginnt unsere Textgruppe kreativ zu werden und ohne zu viel zu verraten die Filmtexte zu verfassen. Besonderes Augenmerk wird auf die Auswahl der Bilder gelegt, um euch einen ersten Eindruck gewähren zu können. Dann beginnt die eigentliche Arbeit am Programmheft, dieses Jahr unter der Feder von Konstantin, Felix und Kamilla. Konstantin ist zwar schon ein Profi beim Layouten, doch für ihn, Kamilla und Felix war das Fertigen des Programmheftes ein Debüt.

Zusammen haben unsere fleißigen Bastler zwei Wochen gebraucht, mit der einen oder anderen Nachtschicht, damit ihr beim Festival bestens ausgestattet werdet mit allen wichtigen Facts zu den Filmen. Das Layout zu gestalten lag in der Hand von Konstantin. Auch wenn sich dieses stark an den Vorjahren orientiert, ist es immer wieder eine Herausforderung: „Wir müssen natürlich eine einheitliche Gestaltung haben, trotz der vielen individuellen Einzelheiten, die zu berücksichtigen sind“ erläutert Konstantin. Nach dem Festlegen der Gestaltung werden die Seiten nach und nach gefüllt, Kamilla erzählt begeistert „umso mehr Seiten wir fertig hatten, umso mehr machte die Arbeit am Heft Spaß und am Ende sind wir richtig stolz auf das Ergebnis“. Am meisten Aufwand ist wie jedes Jahr das Erstellen und Gestalten des Timetables. Felix war mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe vertraut: „Der Übersichtsplan ist mühevolle Detailarbeit, aber dennoch lohnenswert. So können wir unseren Besuchern den besten Überblick geben und die Planung der Festivalwoche erleichtern.“ In enger Teamarbeit entsteht so nach und nach ein Herzstück des Festivals.