Feedback gewünscht

Kaum ist No9 vorbei, schon richtet sich unser Blick auf die Jubiläumsausgabe HS10!
Ein studentisches Team der Karlshochschule in Karlsruhe hat Heimspiel-Filmfestival dieses Jahr besucht und eine kleine Umfrage entwickelt, die Euch die Möglichkeit zu konkretem Feedback geben soll.
Wir würden uns freuen, wenn ihr Euch ganz kurz Zeit nehmt und unter folgendem Link an der Umfrage teilnehmt:

https://shakedag.typeform.com/to/p16HLb

 

Deutscher Psychothriller Die Vierhändige wird Publikumspreisträger

Gestern konnten wir nach dem Screening von Die Vierhändige gleich vier Gäste zur Diskussions- und Fragerunde beim Heimspiel begrüßen: Regisseur und Drehbuchautor Oliver Kienle, eine der zwei Hauptdarstellerinnen Frida-Lovisa Hamann, Nebendarsteller Christoph Letkowski und Produzent Markus Reinecke. Umso größer war die Freude unseren Gästen gleich die gute Nachricht überbringen zu können – Die Vierhändige ist unser diesjähriger Publikumspreisträger! Ihr habt heute alle die Chance den deutschen Psychothriller um 20.30 Uhr im Akademiesalon zu sehen.

Der Genrefilm Die Vierhändige ist doch etwas Besonderes in der deutschen Filmlandschaft, Regisseur Oliver Kienle sieht den Mangel an einer Genretradition als Grund: „In Deutschland gibt es eine Angst vor physischem Kino. Es wird lieber über Themen auf intellektueller Ebene gesprochen, als dass man sich emotional berühren lässt. Da ist eine Glaswand, es gibt kein Vertrauen ins Genrekino und auch keine Tradition mehr, obwohl vor dem zweiten Weltkrieg in Deutschland die Genrefilme quasi erfunden wurden.“ Auch das Thema des Films ist selten in einer solch packenden Art inszeniert worden. Im Fokus steht das Thema Trauer und die Frage was Trauer mit einem Menschen macht. Eine Trauer, die die Seele zerreißt und sich die Trauernde nicht für eine Seite entscheiden kann. Die Zerrissenheit wird bereits in der Ausgestaltung der beiden Schwestern Sophie und Jessica, die im Zentrum der Handlung stehen deutlich. Die beiden Schwestern sind ganz gegensätzliche Charaktere, Kienle beschreibt sie als Ying und Yang: Sophie als zarte Blonde, mit heller Kleidung, die versucht sich vom traumatischen Kindheitserlebnis zu lösen und ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen. Ihr gegenüber die ältere Schwester Jessica, die eine ausgeprägte Besessenheit entwickelt hat ihre Schwester zu beschützen und mit ihrem düsteren Äußeren, einen verstörten und gewaltbereiten Eindruck hinterlässt. Frida-Lovisa Hamann, die Sophie spielt, tat sich anfangs schwer mit der Vorbereitung auf ihre Rolle. „Irgendwann denkst du, du hast es verstanden, hast du aber nicht. Man verliert die Außenansicht und ist nur noch in der Figur. Die Verwirrung war aber sehr Kraft gebend für den Dreh.“ Hamann kommt vom Theater, für sie war Die Vierhändige ihre erste Kinofilmrolle.

Den Dreh beschreiben alle Gäste als sehr anstrengend, eine Szene ist dem Regisseur besonders im Kopf geblieben: „Bei der einen Plansequenz ging wirklich alles schief – wir hatten -10° und der Boden war komplett eingefroren, weshalb ein Stuntman und nicht Detlef Bothe selbst über die harte Erde gelaufen ist. Der Stuntman fiel hin und riss sich den kompletten Rücken auf, weil die Unebenheiten durch den Frost richtig scharf und spitz waren“, auch Produzent Markus Reinecke gibt mit einem Schmunzeln noch ein Statement zur Szene ab: „Den Weg, den Detlef laufen sollte, hab ich dreimal mit frischer Erde aufschütten lassen und mehrfach abgenommen, aber dann lief ja eh alles anders.“ Trotz der Strapazen ist Die Vierhändige für alle vier Gäste eine Herzensangelegenheit, Christoph Letkowski fand das Drehbuch von Beginn an außergewöhnlich und ignorierte auch die Anmerkung „das ist wahrscheinlich eh nur so ein Studentenfilm“. Tatsächlich konnte Letkowski nach eigener Aussage nicht mehr aufhören zu lesen und hatte richtig Lust, wegen der Ambitionen des Regisseurs, Teil des Films zu sein. Dass die Finanzierung des ambitionierten Projektes kein leichter Weg war verdeutlicht Reinecke: „Deutschland ist eigentlich kein Land in dem man Filme macht, die nicht einordbar sind. Wir waren bei vielen, die begeistert waren vom Drehbuch, aber es ihnen einfach nicht Mainstream genug war. Viele Türen wurden geschlossen, nicht das einfachste Projekt.“

Die Vierhändige glänzt mit beeindruckender Kameraarbeit, einer mitreißenden Story und strahlt viel von der Begeisterung der Beteiligten aus, ohne bemüht zu wirken. Manchmal bedrückend genau ist der Psychothriller nicht realistisch, aber wahrhaftig inszeniert. Lasst euch diesen faszinierenden Film nicht entgehen!

Heimspiel in großen Lettern

Hell leuchtend wird jeder Besucher des Ostentorkinos von der Leuchtreklame begrüßt, die ankündigt, welche Filme laufen. Auch unser Heimspiel-Filmfestival wird seit Mittwoch in großen schwarzen Lettern angepriesen. Leuchtreklamen solcher Art sind inzwischen selten geworden, denn das analoge Filmankündigen wird immer mehr abgelöst von großen digitalen Anzeigen. Das Bestücken der Reklame ist zwar mit einem erhöhten Aufwand verbunden, doch gibt es etwas schöneres, als schon vor dem Kino die besondere Atmosphäre schnuppern zu können? Die Lettern lagern in einem der Hinterzimmer des Kinos, wie Hans Geldhäuser vom Ostentorkino erläutert. Langsam lichtet sich aber der Vorrat an Lettern, denn solche werden nicht mehr produziert und es geht doch hin und wieder eine kaputt. Um die Reklame bestücken zu können, geht es hoch hinaus: Mit den Lettern unterm Arm wird die Leiter hochgeklettert. Das nächste Mal wird der Schriftzug Mittwochnacht getauscht, was mit dem Ende unserer Festivalwoche zusammenfällt. Schade, die Zeit verging mal wieder viel zu schnell!

Publikumspreisträger – Tippspiel aus dem Team

Wir sind nun Mitten im fünften Heimspiel-Tag: 38 Filme flimmerten schon über die Leinwände der Kinos, 24 Gäste waren zu Besuch in Regensburg, alle 5.000 Programmhefte sind verteilt, insgesamt 600 Plakate wurden in der ganzen Stadt angebracht und unzählige intensive Stunden hat das Heimspiel-Team in den letzten Tagen in den Kinos verbracht, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Doch auch im Team kommt der Besuch der Filme nicht zu kurz, zwischen zwei Kinodiensten, Abrechnung und Moderation ist immer mal wieder Zeit für ein Screening.

Alle sind gespannt, welcher Film dieses Jahr Publikumspreisträger wird. Einige haben bereits ihre Favoriten gefunden. Patrick, der sich selbst als den Motivator der Gruppe beschreibt, findet besonders Die Hölle – Inferno fantastisch, gerade der starke Frauencharakter hat es ihm angetan. Neben der technischen Umsetzung ist es vor allem eins, was ihn begeistert: „Der Film mutet wie ein Hollywood-Streifen an und das meine ich durch und durch positiv, aber dann ist Die Hölle –  Inferno einfach ein österreichischer Film.“ Einen anderen Tipp gibt Heimspiel-Leiter Sascha Keilholz ab, für ihn ist es Western, der das Rennen macht: „Western ist präzise und genau in dem was er zeigt. Jeder Schnitt und jede Einstellung sind notwendig. Der Film atmet eine große Freiheit, löst sich von vielen Konventionen und gibt den Figuren viel Platz, sich zu entfalten.“ Für Laura aus der Akquise ist es klar, welcher Film am Mittwoch um 20.30 Uhr im Akademiesalon gezeigt wird: „Zwischen den Jahren natürlich, Lars Henning ist so ein sympathischer Mensch und die Geschichte hat mich von Anfang an gepackt!“ Es bleibt auf jeden Fall spannend, denn heute wird noch bei Tiger Girl und Drei Zinnen abgestimmt. Morgen könnt ihr noch für Zwei im falschen Film, Die Vierhändige und Licht eure Stimme abgeben.